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22 – Es ist so eingerichtet, dass wir nur das erreichen können, was wir sowieso schon erreichen.

Viel von dem, was wir als Alltag empfinden und aus dem wir manchmal gerne entkommen würden, haben wir uns selbst eingerichtet. Wir warten und hoffen auf Veränderung, sind aber gleichzeitig so eingebunden in das immer Gleiche, dass dafür gar kein Platz wäre.

21 – Wenn ich immer recht hätte, wäre ich der beste Mensch der Welt.

An unserem blinden Vertrauen ins eigene Urteil (siehe #15) muss etwas faul sein, jedenfalls steht noch kein Friedensnobelpreis im Regal.

20 – Lieber 100 Türen offenhalten, als durch eine gehen und 99 schließen.

Bevor wir für unsere eigene Entscheidung geradestehen (oder sie uns zumindest zurechtlegen und -biegen müssen), treffen wir lieber gar keine. Der sprichwörtliche „Massenmord an Möglichkeiten“ wird um jeden Preis vermieden. Der damit einhergehende Stillstand wird in Kauf genommen, gewonnen ist durchs Stehenbleiben selten etwas.

19 – Gute Vorsätze beruhen auf dem Missverständnis, dass man am 1. Januar als neuer Mensch aufwacht.

Unsere guten Ideen für die Zukunft ehren uns, und dass wir uns selbst nur das Beste wünschen, ist ganz sicher auch kein Fehler. Nur die Mühe, unsere Vorhaben umzusetzen, würden wir gerne outsourcen. Tun wir auch, nämlich an unser zukünftiges Ich. Dass der 1.1. dann allerdings ein „Jetzt“ ist, planen wir nicht mit ein und es überrascht uns, wo wir uns doch für „später“ alles so gut vorstellen konnten.

18 – Ein Zusammenbruch und ein Durchbruch fühlen sich kurz vorher ungefähr gleich an.

Wenn wir völlig überfordert sind, kann das mehrere Ursachen haben: Beispielsweise haben wir (oder jemand anders) uns zu viel aufgehalst und können die Anforderungen nicht mehr bewältigen. Oder: Wir stehen kurz vor einem Durchbruch, worum auch immer es sich handeln mag, beruflich oder privat. Noch ein bisschen länger aushalten und ein bisschen mehr investieren und es wird sich lohnen. Oder es ist eben doch Überforderung.

17 – Immer mal ein neues Problem zu haben ist ein deutliches Zeichen für Fortschritt.

Unsere Eltern scheinen stillzustehen. Jedes Mal dasselbe, wenn wir sie sehen. Wir wären dankbar für ein kleines Zeichen der Weiterentwicklung, wenn die ewig gleichen Diskussionen beim nächsten Mal wenigstens auf einem höheren Level stattfinden würden, wenn sie sich schon nicht um ein ganz anderes Thema drehen. Wer ab und zu mit neuen Problemen aufwarten kann, beweist damit wenigstens, die alten hinter sich gelassen zu haben.

Es geht gar nicht so sehr darum, irgendwann keine Probleme mehr zu haben. Vielmehr geht es darum, besonders gut zu werden, sie anzugehen und vielleicht sogar zu lösen. Vielleicht ist es ein erfülltes Leben, wenn man einmal alle Probleme ausprobieren durfte.

16 – An Menschen festhalten oder an Erinnerungen?

Wenn wir jemanden vermissen, tun wir das manchmal zu recht. Manchmal jedoch nicht, und dann müssen wir uns fragen, ob wir tatsächlich die Person vermissen, die der andere ist, oder ob wir uns an unserer eigenen Version dieser Person festhalten.

15 – Wir haben immer recht.

Jeder nach seinen Möglichkeiten, soviel ist klar. Aber wir gehen noch eins weiter, wir wählen nicht nur, sondern rechtfertigen auch, was und warum wir es wählen. Damit immer noch nicht genug, denn die anderen Möglichkeiten, die wir gehabt hätten, lassen wir nicht einfach Alternativen sein. Unsere Entscheidung muss vernünftig sein (schließlich sind wir es auch), deswegen wäre es unvernünftig gewesen, etwas anderes zu tun. Selbst ohne eine realistische Grundlage dafür zu haben, können wir uns immer in der trügerischen Sicherheit wägen, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

14 – Eine Möglichkeit oder ein schlechter Tausch?

Was wie ein ungünstiger Kompromiss erscheint, kann manchmal auch eine günstige Gelegenheit sein, etwas dazu zu gewinnen. Nicht unbedingt geschenkt, aber eben günstig zu bekommen.

13 – Alles ist großartig, aber keiner freut sich darüber.

Überall sind die Dinge amazing und incredible. Dass wahres Glück allerdings von innen kommt, ist eine der meistgehörten Weisheiten, die wir kennen und sie langweilt uns. Ob aber nicht doch was dran ist? Um uns herum gibt es eine Erfindung nach der anderen, die alles noch ein bisschen besser, aufregender, Entertainment-artiger machen soll und kann, aber wir sind jederzeit in der Lage, mit einem leeren Gefühl zurückzubleiben. Zumindest können wir durch das, was wir uns von außen zuführen, nicht komplett ausgefüllt werden. Und jetzt?

12 – Wer billig kauft, legt drauf.

Die Mutter eines Freundes hat gute 10 „günstige Digitalkameras“, jede einzelne ein bisschen besser als die vorherige, jede einzelne ein irgendwie sinnvoller Kauf. Kostenpunkt, gesammelt: 2-3 Profi-Geräte, von denen eins für alles reichen würde, was die 10 anderen nur so halb können.

11 – Was könnte ich weglassen?

Wenn wir nach einer Lösung suchen, suchen wir oft nach dem, was wir zusätzlich noch benötigen. Manchmal kommt man aber auch voran, wenn man etwas weglässt. Platz für Neues, manchmal bevor man weiß, was das Neue ist.

10 – Solange man einen Lieblingsfehler hat, gibt es etwas zu üben. Wenn man alle Fehler gleich oft macht, ist man am Ziel.

Wer einmal gelogen hat, dem glaubt man beim zweiten Mal eher nicht mehr. Wer zweimal denselben Fehler macht – und wenn wir es selbst sind – verdient nicht unbedingt Misstrauen oder Geringschätzung, aber zumindest mehr Hilfe und Aufmerksamkeit. Die Gelegenheit, aus dem Fehler zu lernen, wurde beim ersten Mal offensichtlich nicht gründlich genug genutzt. Fortschritt wäre doch, beim nächsten Mal an einer anderen, schwierigeren Stelle zu scheitern als vorher.

9 – Unterforderung ist schwer zu entdecken.

Wenn wir überfordert sind, merken wir das schnell. Alles erscheint uns mühsam, zu viel, unübersichtlich und erdrückend. Genau das sind allerdings auch die Zeichen von Unterforderung. Wenn wir uns fühlen, als wären wir nicht gut genug, ist der Grund aber nicht immer die eigene Unzulänglichkeit.

8 – Wenn die Zeit knapp wird, lassen wir zuerst die Dinge ausfallen, die uns gut tun würden.

Sind wir der Meinung, dass wir sie nicht mehr verdient hätten, wenn wir uns nicht an Deadlines halten können? Gut ausgeruht arbeitet man doch eigentlich besser. Nur leider fühlt es sich sehr produktiv an, sich Freude zu verkneifen.

7 – „Erreicht“ ist ein Wort, das selbst Richard Branson noch jagt.

Man will etwas erreichen. Um stolz zu sein, um etwas vorweisen zu können, vielleicht um ein bisschen anzugeben oder einfach um zu wissen, in welche Richtung es danach weitergeht. Vielleicht steckt aber auch die Sehnsucht dahinter, an einem Punkt anzukommen, an dem man dem ständigen Vorangehen entkommen kann, an dem man weit genug ist. Wie kommen wir eigentlich darauf, dass wir immer weiter müssen?

6 – Organisation ist nicht nur für Streber, sondern auch für Leute, die gerne leben.

Ein strenger Kalender und eine volle Todo-Liste sind Insignien des Beschäftigtseins (man sagt, „busy“ ist in gewissen Kreisen die aktuelle Standard-Antwort auf die Frage „how are you“). Vielleicht können die beiden aber auch dafür stehen, dass man einfach nur sehen will, wo im Kalender noch Platz für das wirkliche Leben ist.

5 – Langeweile überkommt uns nicht mehr, wir müssen sie aufsuchen.

„Nicht mehr“ klingt nach „früher war alles besser“. Entertainment gibt es jedenfalls eine Menge, vielleicht sogar wirklich mehr als je zuvor. Die ruhigen Minuten lassen sich mit allem Möglichen füllen, ertragen müssen sie wir jedenfalls kaum noch. Vielleicht wäre aber gerade das eine wertvolle Übung; wofür auch immer.

4 – Wenn wir beschäftigt sind, wollen wir eigentlich, dass nichts passiert.

Wir suchen uns Aufgaben – oder schlimmer: lassen uns Aufgaben zuweisen. In den meisten Fällen bleibt dabei außen vor, dass wir etwas bewirken könnten, statt nur etwas abzuarbeiten. Für das was anliegt, tragen wir meistens keine Verantwortung. Das ist sehr bequem, denn es gibt uns das Gefühl, etwas erreicht zu haben, lässt uns aber niemals als dessen Urheber in der Verantwortung stehen – es war halt gerade zu tun. Wenn wir uns selbst für etwas entscheiden, tragen wir die Konsequenzen davon mit und sehen unter Umständen auch mal schlecht aus. Für das, was man einfach nur erledigt, muss man selten geradestehen.

3 – Wir sehen das, was schon fertig ist, aber nicht das, was wird.

Ergebnisse aller Art sind bequem. Sie sind greifbar, vielleicht überraschend oder negativ, ziehen aber keine weiteren Überraschungen nach sich und lassen uns auf ihre Art in Ruhe. Selbst wenn sie uns nicht passen. Dass wir ohne es zu merken mit allem, was wir schon in der Hand haben, trotzdem noch am Anfang von etwas anderem stehen könnten, kommt uns nicht in den Sinn. Die Welt wird nicht anhalten, nur weil man mit etwas fertig ist. Wir müssen wohl oder übel dabei zusehen, was als nächstes passiert oder können vielleicht sogar Einfluss darauf nehmen, welche Form es haben wird.

2 – Wer sich immer eine Hintertür offenhält, übersieht den Haupteingang.

Vielleicht haben wir zu lange gesagt bekommen, dass wir etwas ganz Besonderes sind. Deswegen denken wir bei vielem, auch wenn es uns einigermaßen gefällt, dass etwas noch Besseres und, vor allem, Besonderes auf uns wartet. Vielleicht sehnen wir uns nach einem Zustand, auf den irgendjemand den Aufkleber „das beste und ganz besonders“ geklebt hat, damit wir endlich beruhigt sein können und nicht weiter Ausschau halten. Vielleicht könnten wir stattdessen öfter sagen: „das ist es jetzt, wir machen die Hintertüren zu.“

1 – Wenn die Guten nur zusehen und nichts machen, schadet das allen.

Es ist schwer zu sagen, wie viele stille Beobachter des Geschehens es gibt. „Wenn nur mal einer was machen würde, sähe das gleich ganz anders aus“, denken sich viele und warten auf den Startschuss. Es müsste nur mal einer heldenhaft anfangen, dann würde man gleich mitmachen – und dann ginge alles ganz schnell und die Welt (oder zumindest ein kleiner, bescheidener Teil davon) würde bald ein bisschen besser sein. Auf ein „man müsste“ sollten jedenfalls immer ein „wer“, „was“ und „wann genau“ folgen.